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Quappenaufzucht

Aktualisiert: 18. Dez. 2025

Von der Kaulquappe zum Frosch: Dein Guide zur erfolgreichen Aufzucht


Bild zur Verfügung gestellt von Finn Conrad
Bild zur Verfügung gestellt von Finn Conrad


Hand aufs Herz: Wer von uns hat als Kind nicht versucht, Kaulquappen im heimischen Tümpel zu beobachten? Genau diese Faszination erleben wir jetzt im Terrarium wieder, wenn z.B. unsere Pfeilgiftfrösche (Dendrobaten, Phyllobates & Co.) ablaichen.

Doch wie bekommst du die empfindlichen Larven gesund an Land? Basierend auf jahrelanger Erfahrung und vielen Tests habe ich hier die essenziellen Tipps für dich zusammengefasst – weg von komplizierter Technik, hin zu dem, was wirklich funktioniert.



Dendrobaten:


1. Naturbrut oder Handaufzucht?


Grundsätzlich wissen die Froscheltern am besten, was zu tun ist. Bei Arten wie Oophaga oder Ranitomeya musst du sogar auf die Eltern vertrauen, da diese ihre Quappen aktiv mit Nähreiern füttern – hier ist eine Handaufzucht extrem schwierig.

Bei Arten wie Dendrobates tinctorius oder Phyllobates lohnt sich die künstliche Zeitigung ("Handaufzucht") oft für eine höhere Überlebensrate.

Tipp: Nimm das Gelege nicht sofort aus dem Terrarium! Lass es 2–4 Tage bei den Eltern. Sie bewässern den Laich und scheinen ihn dabei mit Stoffen zu „impfen“, die ihn resistenter gegen Verpilzung machen. Erst danach überführst du das Gelege in eine Petrischale.



2. Das Zuhause: Weniger Technik, mehr Hygiene


Vergiss komplexe Durchlaufanlagen oder winzige Filmdosen. Die Erfahrung zeigt: Hygiene und Platz sind der Schlüssel zum Erfolg.

  • Das Gefäß: Ideal sind einfache 1-Liter-Dosen (transparent oder weiß) mit Deckel.

  • Der Inhalt: 500ml Wasser und reichlich Luftraum darüber.

  • Die Biologie: Packe unbedingt eine Portion Javamoos (Taxiphyllum barbieri) oder Weeping Moos ins Wasser. Das stabilisiert die Wasserwerte und bietet Mikroorganismen eine Siedlungsfläche.

  • Die Pflege: Wasserwechsel (ca. 50 %) alle zwei Tage sind Pflicht! Quappen, die in ihren eigenen Ausscheidungen schwimmen, kümmern und werden krank.



3. Wasserchemie: Das Geheimnis des "Quappentees"


Sauberes Wasser ist das A und O. Eine Mischung aus 1/3 Osmosewasser und 2/3 Leitungswasser (je nach Härte bei dir vor Ort) hat sich bewährt. Aber wir brauchen noch einen Zaubertrank:

Der "Quappentee": Koche Erlenzapfen aus und nutze diesen Sud. Die enthaltenen Huminsäuren färben das Wasser bräunlich (wie Tee), senken den pH-Wert leicht (ca. 6,5) und wirken vor allem antibakteriell und pilzhemmend. Alternativ funktionieren auch Seemandelbaumblätter oder Eichenlaub.



4. Fütterung: Abwechslung statt Einheitsbrei


In der Natur fressen Quappen alles: Algen, Insektenlarven, Pollen. Einseitige Ernährung ist der häufigste Grund für Mangelerscheinungen.

  • Trockenfutter (DIY-Mix): Mörsere eine Mischung aus Spirulina, Brennnesselblättern, Blütenpollen und hochwertigem Fischfuttergranulat zu feinem Pulver.

  • Lebendfutter ist Pflicht:

    • Wasserflöhe (Daphnien): Reich an Ballaststoffen, regen die Verdauung an.

    • Schwarze & Weiße Mückenlarven: Proteinreich und wecken den Jagdinstinkt.

    • Artemia: Bitte gut abspülen (Salz!), liefern aber wertvolle Vitamine.

⚠️ WICHTIGE WARNUNG: Verzichte unbedingt auf Rote Mückenlarven! Diese stammen oft aus belastetem Schlamm und ihre harte Schale kann bei den zarten Quappen zu tödlichem Darmverschluss führen.


5. Der Landgang: Die kritische Phase


Sobald die Vorderbeine durchbrechen, beginnt die Metamorphose. Jetzt brauchen die Tiere Ruhe und Hygiene. Terrarien sind hier oft zu unübersichtlich und schmutzig.

  • Die Box: Große Plastikboxen (ca. 60x40cm) sind ideal.

  • Die Einrichtung: Keine Erde! Nutze eine zentrale, nasse Xaxim-Platte als Feuchtigkeitsspeicher. Den Rest legst du mit sterilisiertem Eichenlaub und robusten Kakaoblättern aus. So bleiben die Füße trocken, aber die Umgebung feucht.

  • Hygiene: Tausche die komplette Box wöchentlich gegen eine saubere aus. Jungfrösche haben einen extremen Stoffwechsel – Sauberkeit verhindert Krankheiten.

  • Stress vermeiden: Zu viele Futtertiere (Springschwänze), die über die kleinen Frösche krabbeln, bedeuten Stress. Füttere angemessen, aber flute die Box nicht.




Laubfrösche

Beispielhaft an Hyalinobatrachium erklärt


Hyalinobatrachium valerioi mit Gelege                       Bild zur Verfügung gestellt von Finn Conrad 
Hyalinobatrachium valerioi mit Gelege Bild zur Verfügung gestellt von Finn Conrad 


1. Naturbrut oder Handaufzucht?

Bei Glasfröschen wie Hyalinobatrachium valerioi ist die Rollenverteilung klar: Die Männchen sind die Helden. Sie bewachen das Gelege an der Blattunterseite über fließenden Gewässern teils wochenlang gegen Wespen und Austrocknung. Dennoch: Im Terrarium ist die Handaufzucht der sicherste Weg, da die Quappen beim Schlupf oft nicht präzise im Wassergraben landen oder von Mitbewohnern gefressen werden.

Tipp: Schneide das Blatt mit dem Gelege erst aus dem Terrarium, wenn die Quappen im Ei bereits voll entwickelt sind und kurz vor dem Schlupf stehen (man erkennt deutlich die Augen und den Schwanz). Hänge das Blattstück mit einer Wäscheklammer oder einem Draht über dein Aufzuchtgefäß, sodass die Quappen beim Schlupf direkt ins Wasser fallen – genau wie in der Natur.



2. Das Zuhause: Sauerstoff ist alles

Glasfroschquappen leben in der Natur in sauerstoffreichen Fließgewässern. In stehenden, stickigen Gefäßen sterben sie innerhalb weniger Stunden.

  • Das Gefäß: Flache, weite Kunststoffschalen (ca. 2–3 Liter) bieten eine große Wasseroberfläche für den Gasaustausch.

  • Der Inhalt: Der Wasserstand sollte zu Beginn niedrig sein (ca. 3–5 cm).

  • Die Biologie: Da diese Quappen strömungsliebend sind, ist ein kleiner Luftheber (Sprudelstein) bei geringer Einstellung Gold wert. Er hält das Wasser in Bewegung und verhindert eine Kahmhaut. Packe eine Handvoll feinfiedrige Wasserpflanzen (z. B. Hornkraut oder Wasserpest) hinein.

  • Die Pflege: Tägliche Kontrolle! Glasfroschquappen reagieren extrem empfindlich auf Ammoniak. Ein kleiner Wasserwechsel (20–30 %) alle zwei Tage stabilisiert das System.



3. Wasserchemie: Weich und Sauer

Hyalinobatrachium stammt aus Regenwaldgebieten mit sehr mineralarmem Wasser. Hartes Leitungswasser führt oft zu Wachstumsstopps.

  • Die Mischung: Ein Verhältnis von 80 % Osmosewasser zu 20 % Leitungswasser ist ideal. Der Leitwert sollte niedrig bleiben.

  • Der "Quappentee": Auch hier ist der Sud aus Erlenzapfen oder Seemandelbaumblättern essenziell. Er simuliert das Schwarzwasser der Tropen. Der pH-Wert sollte leicht sauer zwischen 6,0 und 6,8 liegen. Die antibakterielle Wirkung ist bei den zarten Glasfrosch-Larven noch wichtiger als bei Dendrobaten.



4. Fütterung: Algenfresser mit Protein-Kick

Hyalinobatrachium valerioi Quappen fressen Dadap-Blätter. Video zur Verfügung gestellt von Finn Conrad

In der Natur weiden Glasfroschquappen Biofilme von Steinen und Totholz ab. Sie sind weniger räuberisch als manche Baumsteiger, brauchen aber Energie für ihr schnelles Wachstum. Dadap- und Maulbeer-Blätter werden unserer Erfahrung nach sehr gerne gefressen.

  • Trockenfutter: Hochwertige Spirulina-Tabs oder spezielles Aufzuchtfutter für Welse (Algentabletten) sind eine gute Basis. Zerdrücke die Tabletten leicht, damit auch kleinere Quappen herankommen.

  • Der Biofilm-Trick: Lege flache Steine in ein Glas Wasser auf die sonnige Fensterbank, bis sich ein grüner Algenrasen bildet. Diese "Algensteine" sind das natürlichste Futter überhaupt.

  • Lebendfutter:

    • Artemia-Nauplien: Frisch geschlüpft und gut gespült sind sie ein hervorragender Proteinlieferant.

    • Glanzwürmer: In kleine Stücke geschnitten werden sie gerne vom Boden aufgenommen.

  • ⚠️ WICHTIGE WARNUNG: Futterreste vergammeln bei Glasfröschen extrem schnell. Sauge nicht gefressenes Futter nach ein paar Stunden mit einer Pipette ab, um das Wasser nicht zu belasten.



5. Der Landgang: Die Metamorphose der Glasgeister

Der Moment, in dem aus der braun-transparenten Quappe ein leuchtend grüner Frosch wird, ist kritisch. Glasfrösche sind schlechte Schwimmer, sobald sich der Körper umstellt.

  • Die Box: Nutze eine flache Kunststoffbox, die leicht schräg steht. So entsteht ein Wasserbereich und ein trockener Landbereich.

  • Die Einrichtung: Sobald die Vorderbeine da sind, müssen die Tiere das Wasser verlassen können. Nutze große, glatte Blätter (z. B. Efeutute), die halb im Wasser liegen. Glasfrösche sitzen als Jungtiere instinktiv gerne an der Blattunterseite oder auf glatten Flächen.

  • Hygiene: In der Landgänger-Box ist maximale Sauberkeit gefragt. Keine Erde, nur feuchtes Zewa oder glatte Kunststoffflächen, die täglich gereinigt werden.

  • Das erste Futter: Frisch verwandelte Glasfrösche sind winzig. Du brauchst kleinste frisch geschlüpfte Springschwänze oder Mikro-Drosophilas. Achte darauf, dass die Luftfeuchtigkeit extrem hoch bleibt (90 %+), da die jungen Glasfrösche sonst sofort austrocknen.




Fazit


Erfolgreiche Quappenaufzucht ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage der Disziplin. Sauberkeit, gutes Futter und die richtigen Wasserwerte (Huminsäure!) belohnen dich mit kräftigen, gesunden Nachzuchten, an denen du lange Freude haben wirst.


Viel Erfolg bei der Aufzucht!




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Erlenzapfen 10g

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Kakao Blätter 10g

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Seemandelbaum Blätter 10x

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Xaxim-Platte 50x20x1,5 cm (Neuseeland)

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